Atelier Edda Dietrich



Dem Unsagbaren Melodie und Worte geben

- Unsagbares trennte Töchter und Söhne von ihren Vätern in den Jahren nach dem Krieg. Väter, die an den Fronten des Deutschen Reiches töteten; Väter, die ihre Pflicht erfüllten; Väter, welche Juden, Homosexuelle, Sinti, Roma, Kranke, Andersdenkende jagten und mordeten. Väter für Hitler, Väter im Krieg. Väter, – verwundet.

Diejenigen, die zurückkehrten, kamen in ein zerstörtes Land, sie kamen zurück als Täter, die keine Heimat fanden, sondern ein Land, über dem die Nebel ihrer Taten schwebten, ihre Schuld.

Die Jahre gingen, der Wiederaufbau gelang. Familienglück und wachsender Wohlstand zementierten die neue heile Welt über den Gräben der Vergangenheit.

Disziplin und Fleiß übertünchten das Schweigen, füllten die Risse der schmerzhaften Erinnerungen. Töchter und Söhne wuchsen heran, in einer Welt neuer Währung und demokratischer Regeln, die jedem Strebsamen das persönliche Glück versprachen.

Wer will da fragen: Vater, wie war das im Krieg? Was ist mit dir geschehen. Was hast du getan? Wie bist du zu diesem, meinem Vater geworden?

“Ich habe meinen Vater gefragt“, erzählt Tom Duerner. „Ich habe niemals eine Antwort auf die Frage bekommen, was damals in Stalingrad geschah. Dabei hätte ich mir eine Antwort so sehr gewünscht, eine Antwort, die vielleicht endlich die kalte Leere zwischen ihm und mir gefüllt hätte.“

Wie Tom ging und geht es vielen Kindern, die nun selbst Eltern oder gar Großeltern sind. Aber im Gegensatz zu den meisten von ihnen ist Tom Duerner Künstler, ist er Liedermacher in Berlin. „Die Musik ist eine große Kraft. Und wenn ich es auch nicht geschafft habe, zu Lebzeiten meines Vaters mit ihm ein versöhnliches Gespräch zu führen, so ist mir etwas davon dann doch in der Auseinandersetzung und der Arbeit zu diesem Lied gelungen.“

Tom konnte dem Unsagbaren Melodie und Worte geben. „Nun kann ich das Bild, das ich von meinem Vater und somit auch von mir selbst habe, allmählich vervollständigen. Ich bin etwas ganzer geworden. – Vielleicht hilft dieses Lied dem einen oder anderen Menschen meiner Generation, einen ähnlichen Weg zu finden.“

Mehr Informationen zum Künstler: www.tom-duerner.de