Atelier Edda Dietrich

Telefoninterview mit Gerald Häfner

Studientage, das ist Arbeit an der Sozialen Skulptur

Jetzt sind es noch gut zwei Wochen, dann ist es wieder soweit: Studientage Soziale Skulptur in Achberg. Im Vorfeld zu den Studientagen führte ich ein Interview mit  Gerald Häfner, der als Dozent mit den Teilnehmern zum Thema: Die Soziale und politische Dimension des Erweiterten Kunstbegriffs - Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Wo aber geht sie hin? arbeiten wird. Das Gespräch gebe ich hier auszugsweise wieder.


Edda Dietrich:

Herr Häfner, Sie stehen in langjähriger Verbindung zu der Sozialen Bildungs- und Forschungsarbeit, die seit Jahrzehnten im Internationalen Kulturzentrum Achberg in Bezug auf die Soziale Skulptur geleistet wird.

Gerald Häfner:


Ja, ich bin seit 28 Jahren mit der Arbeit in Achberg, der Freien Internationalen Universität, mit der Arbeit und Idee von Joseph Beuys sowie Peter Schilinski verbunden. Seit dieser Zeit arbeite ich am Erweiterten Kunstbegriff; eine Arbeit, die ich als ein Arbeiten, als eine Aufgabe an der Sozialen Skulptur verstehe.


Edda Dietrich:

Anfang Mai sind Sie neben dem Berliner Künstler Erhard Monden während der Studientage Soziale Skulptur als Dozent eingeladen worden. Sie arbeiten mit den Teilnehmern an dem Thema der sozialen und politischen Dimension des Erweiterten Kunstbegriffes. Sie treffen dort auf eine eher kleine Gruppe gegenüber den Vortagssälen, in denen ich Sie habe vor hunderten von Menschen reden hören.    

Gerald Häfner:

Wenn es Menschen gibt, die dem Impuls folgen, unsere Gesellschaft und dieser Erde gerecht werden zu wollen, die Verantwortung übernehmen wollen, dafür dass die Menschen zu mehr Selbstbestimmung und Mündigkeit kommen, dafür dass wir gemeinsam eine Welt gestalten, in der das Menschliche der Maßstab ist; wenn es Menschen gibt, die die Soziale Skulptur als ihr Gestaltungsfeld ins Auge fassen, die in diesem Feld arbeiten und forschen wollen, dann ist mir das ein Freude. In diesem Sinn verstehe ich und erlebe ich die Studientage. In ihnen wird diese wichtige Arbeit ermöglicht, sie geben interessierten Menschen die Möglichkeit, ihre freie Gestaltungskraft, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und auf das große, soziale Ganze anzuwenden.  

Edda Dietrich:

Warum ist Ihnen das so ein dringendes Anliegen?


Gerald Häfner:

Heute stehen wir in einer Situation, in der wir nicht aus einem freien, menschlichen Handeln heraus gestalten können. Unsere Welt gestaltet sich eben nicht aus dem freien Gespräch der Menschen, wie es denn sein soll, heraus. Es herrschen Machtstrukturen vor, die von Interessengruppen, die diese Macht festigen und bewahren wollen, bestimmt werden. Es gilt eben nicht das Freiheitsprinzip. Das Menschliche ist hinten angestellt.

Edda Dietrich:

Was müsste geändert werden, damit dieses Ziel erreicht werden kann?

Gerald Häfner:

Das Wahlrecht und die Demokratie müssen weiter entwickelt werden. Eine Demokratie aber ist nicht denkbar ohne Volksabstimmung.


Edda Dietrich:

Für diese Ziele setzen Sie sich schon lange ein. Was haben Sie und die Menschen, die mit Ihnen in diesem Sinne arbeiten, erreicht in den vergangenen Jahrzehnten?

Gerald Häfner:

Ich denke, wir haben enorm viel erreicht. Als ich mit meiner Arbeit begann, da gab es beispielsweise das demokratische Instrument des Bürgerbegehrens in nur einem Bundesland. Heute haben wir Bürgerbegehren in 16 Bundesländern. Auch auf anderen Gebieten hat sich viel entwickelt: Der Wunsch der Menschen, in dieser Welt verantwortungsvoll zu wirken, ist unübersehbar und wächst weiter. Aber wir haben das Problem, dass auch andere Kräfte wirken. Auch sie werden mächtiger und dabei immer geschickter. Die Arbeit an der Sozialen Skulptur wird immer ein Ringen mit diesen Kräften sein. Damit werden wir nie am Ende sein.

Edda Dietrich:

Das hört sich mühsam und schwierig an.


Gerald Häfner:

Meistens erwachen die Menschen an den Zuständen in dieser Welt, die sie für ungerecht halten. Gegen dieses Unrecht treten sie dann an. Sie demonstrieren beispielsweise. Darin liegt aber die Gefahr, atemlos hinter den Entwicklungen herzulaufen. Dieses Dagegen ist mühsam und kostet auf lange Sicht viel Kraft. Auf der anderen Seite stehen Menschen, die aktiv an der neuen Welt arbeiten. Sie sind nicht gegen sondern für etwas. Sie arbeiten daran, dass das Bewusstsein zunimmt, dass wir diese Welt verantwortungsvoll gestalten. Ich denke, wir sollten unsere Kraft nutzen, diese gültigen Bilder zu entwickeln, in denen wir beschreiben, was wir wirklich wollen. In den Studientagen Soziale Skulptur haben wir die Gelegenheit, diese Bilder frei zu entwickeln, neue Wege aufzuzeigen und diese dann auch zu ergreifen.

Edda Dietrich:

Ich danke Ihnen für Ihre spontane Zusage zu diesem Gespräch und freue mich darauf, Ihnen während der Studientage in Achberg in dieser Art und Weise zu begegnen.